Qualität in der Lehre: eine Checkliste des ibw

Da ich nun auf dem besten Weg bin, selbst eine Lehrlingsausbilderin zu werden, werde ich mich in absehbarer Zeit etwas näher mit der Thematik der Lehrlingsausbildung und allem, was so dazugehören könnte, befassen.

Die Ausbildung eines jungen Menschen zur einer Nachwuchsfachkraft bedarf einer Menge Verantwortung, Einfühlungsvermögen und umfasst oft nicht nur die verschiedenen Facetten im Berufsalltag, sondern greift manchmal auch in die persönliche Weiterentwicklung der jungen Heranwachsenden ein. Es kann ein langer Weg sein vom erstmaligen Einstieg in die Berufswelt bis hin zum Abschluss einer Berufsausbildung. Betriebe müssen heutzutage immer flexibler auf etwaige Veränderungen in der Wirtschafts- und Arbeitswelt reagieren, und dabei sollen im Idealfall gewisse Standards in der Lehrlingsausbildung eingehalten werden.

Die Checkliste „Qualität in der Lehre“ herausgegeben vom Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft, 2012, bietet hier einen Überblick über 10 Qualitätsfaktoren, die den Betrieb bzw. den/die Ausbildner/in dabei unterstützen sollen.

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche (Personen)bezeichnungen gelten gleichwohl für beiderlei Geschlecht.

Hier eine Zusammenfassung in Stichworten in Kombination mit meinen eigenen Ideen:

  • Marketing: Wie finde ich den passenden Lehrling für meinen Betrieb? Wen und vor allem wie mache ich die richtige Zielgruppe auf meinen Betrieb aufmerksam? Lehrstellenbörse, Kooperationen mit Schulen, Schnupperlehre, Berufsmessen, Mundpropaganda, Zusammenarbeit mit AMS (ArbeitsMarktService) bzw. Organisationen für Jugendliche
  • Die Lehrlingsauswahl: Wer entscheidet über die Auswahl? Wieviele werden zum Gespräch eingeladen? Wer ist beim Bewerbungsgespräch anwesend? Auswahlverfahren mit festgesetzten Kriterien (z.B. berücksichtigung von Zeugnissen: Noten in einzelnen Unterrichtsfächern / Auswahltest: Kenntnisse aus einzelnen Bereichen wie Deutsch, Praktisches Rechnen, Berufsverständnis), Bewerbungsprozess mit Bewerbungsgespräch und eventuell ein separater Probetag: das persönliche Auftreten, die Motivation für den Beruf, Genauigkeit, Geschick, Selbstständigkeit, der gepflogene Umgang miteinander und letzendlich die Eignung für den eigenen Betrieb. Passt derjenige mit seinen ganzen Qualifikationen überhaupt in unser Team? Nicht vergessen die positive/negative Rückmeldung an alle Bewerber.
  • Der optimale Start: Begrüßung und Vorstellung (ev. auch Eltern über genauen Ablauf der Ausbildung informieren), Lehrlingsmappe mit Unterlagen (zur Lehre, zu Ausbildung und Betrieb, die Rechte und Pflichten von minder- und volljährigen Lehrlingen), Besprechung über Betriebs- und Arbeitsabläufe, Erklärung der betrieblichen Arbeitsmittel, Wer ist für den Lehrling verantwortlich/zuständig?
  • Der richtige Umgang: Der Ausbilder bzw. auch der Mentor, sofern es einen gibt, als Vorbild und Ansprechpartner, das erwartete Verhalten selbst vorleben, Vertrauen schaffen und das persönliche Gespräch suchen, sich Zeit nehmen für Fragen, Stärken und Schwächen erkennen und darauf eingehen, den Lehrling loben und besondere Leistungen anerkennen, den Lehrling formen und dabei Spielraum für Entwicklung geben, Verantwortung übergeben, auffordern Mitzudenken, Fehler als Lernchancen zulassen, gegenseitiges Feedback einholen
  • Die Ausbildung gestalten: Wie gestalte ich die Ausbildung? Berufsbild als Grundlage heranziehen, Ausbildungsplan erstellen, Lehrling einbinden z.B. auch in die Verbesserung von Arbeitsprozessen, Jobrotation (verschiedene Bereiche und Kollegen kennen lernen), Tätigkeiten nicht nur erklären, sondern auch vorzeigen und üben lassen, Lehrlinge fordern und fördern aber vor allem nicht überfordern, Weiterbilden lassen, Ausbildungsdokumentation (Lehrlingstagebuch, Ausbildungs-Checkliste), regelmäßiges Lehrlingsgespräch, Wie gebe ich richtig Feedback? Unterstützung bei der Vorbereitung auf die LAP (LehrAbschlussPrüfung), gute Leistung belohnen
  • Ausbildung über das Berufsbild hinaus (Lebenslanges Lernen): zusätzliche berufsbezogene Weiterbildung (EDV – Elektronische DatenVerarbeitung, Fremdsprachen, Erste-Hilfe, Arbeitssicherheit, branchenbezogen), Persönlichkeitstraining, Zeitmanagement, Team Building, Vermittlung von Soft-Skills, ev. Berufsmatura, ev. Auslandspraktikum, Förderung der Gesundheit (Sportangebote, Gesundheitsvorsorge, Suchtprävention)
  • Der Ausbilder:  Qualifikation zum Ausbilder (Prüfung, Kurs, vergleichbares), fachliche und didaktische Weiterbildung (Inhalte richtig vermitteln, den Lehrling otivieren, Umgang mit schwierigen Lehrlingen), Ehrfahrungsaustausch (mit anderen Betrieben), Mitwirkung in Arbeitskreisen zur Lehrlingsausbildung
  • Ausbildungspartner Berufsschule: Kontakt mit den Lehrern aufbauen und pflegen, sich über die Leistungen und das Verhalten des Lehrlings informieren, wissen was auch dort Sache ist? Was lernt mein Lehrling dort eigentlich? Welche Bereiche deckt die Berufsschule ab? Welche Inhalte müssen durch den Betrieb gedeckt werden?
  • Kooperationen: Exkursionen in andere Betriebe, berufsbezogene Ausflüge, Durchführen gemeinsamer Projekte, Ausbildungsverbund für die Vermittlung zusätzlicher Kenntnisse und Fertigkeiten (inner- und/oder außerbetrieblicher Lehrlingstausch z.B. für eine Woche)
  • Der Blick von außen – die Erfolgsmessung: durch das erfolgreiche Bestehen der LAP, Teilnahme an Wettbewerben, Preise auch für den Betrieb und den Ausbilder, regionale und branchenspezifische Auszeichnungen

 

Weiterführende Links:

Quelle: Checkliste „Qualität in der Lehre“, hrsg. ibw – Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft, Okt. 2012

Hier die 2. Auflage, Okt. 2014, auch online: http://qualitaet-lehre.at/images/downloads/checklist_qualitaet_in_der_lehre.pdf

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