Bewerbungstipps für die Lehrstellensuche (Teil 2)

Die nachfolgenden Empfehlungen und Hinweise geben keine Garantie auf einem Job, sie dienen lediglich als Hilfestellung.

Nachdem deine Bewerbung bei der potentiellen Arbeitgeber*in erfolgreich angekommen ist, beginnt in der Regel die Personalabteilung eine Vorauswahl zu treffen. Manche Lehrlingsausbilder*innen führen diese Vorabauswahl noch selbst durch oder geben erste Präferenzen ab.
In diesem Zeitraum kann es bereits passieren, dass dich jemand telefonisch kontaktiert und dir erste Fragen zu deiner Person oder deinen Zielen stellt. Falls du bereits oder kurz vor der Volljährigkeit und wehrpflichtig bist, wirst du als männlicher Kandidat wahrscheinlich auch nach deiner (Un-)tauglichkeit gefragt bzw. ob du schon den Zivil- oder Wehrdienst abgeleistet hast.
Bitte beachte, dass wenn du dich bei einem Ministerium mit einer erhöhten Sicherheitsstufe (z. B. Bundesheer, Innenministerium,…) beworben hast, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass du von einer unterdrückten Nummer angerufen wirst – deswegen solltest du in so einem Fall unbedingt abheben.

Aus diesem Grund empfehle ich dir, dass du dir bereits kurz nach dem Absenden deiner Unterlagen, Gedanken darüber machst, was du sagen möchtest. Am besten notierst du dir das Ganze kurz und knapp, damit du nichts Wesentliches vergisst. Von ganzen Sätzen oder zu großen Satzbauteilen rate ich dir ab, da du schnell aus dem Konzept kommen könntest, wenn die zurechtgelegte Antwort nicht zur Frage passt. Lass dir am besten den größtmöglichen Handlungsspielraum.
Des Weiteren kannst du dir wichtige Fragen überlegen, die mit der Lehrausbildung und deinem Start ins Berufsleben zusammenhängen. Kann, aber kein Muss! Wenn für dich alles klar ist, brauchst du dir auch über das Stellen von Fragen keine Gedanken machen.

Aufnahmetest

Vor vielen Bewerbungsgesprächen findet ein Aufnahmetest statt, da die Arbeitgeber*innen feststellen wollen, ob du die notwendigen Kenntnisse für das Erlernen des Berufes mitbringst.
Du brauchst allerdings keine Panik davor haben. Fange am besten früh an, dich auf einen möglichen Test vorzubereiten – dann ersparst du dir später den Druck und kannst ruhig und gelassen zu dem Termin erscheinen. Mögliche Themengebiete sind neben Allgemeinbildung, Deutsch- und Mathematikkenntnissen auch Logik- und Denkaufgaben bzw. bezogen auf die ABI-Lehre durchaus auch ein Fokus auf das Fach Geschichte.

Im Internet findest du zahlreiche Webseiten, die dich auf Aufnahmetests gut vorbereiten. Allerdings sind viele von diesen nicht kostenfrei und in manchen Fällen wird nach einer kostenfreien Testphase bereits eine Gebühr, zum Beispiel in Form eines Abos, in Rechnung gestellt.
Wenn du dir im Fach Geschichte unsicher bist, rate ich dazu, dir die Basics rund um die Geschichte Österreichs anzueignen. Auf der Webseite „Mein Österreich“ des Bundesministeriums für Inneres gibt es kostenlose Lernunterlagen und die Möglichkeit ein Online-Quiz zur Geschichte Österreichs zu starten.
Die Unterlagen dienen zwar eigentlich zur Vorbereitung auf die Staatsbürgerschaftsprüfung, bieten aber eine schöne Übersicht über die historischen Ereignisse, welche durchaus auch für den Lehrberuf „Archiv-, Bibliotheks- und Informationsassistent*in“ von hoher Relevanz sind.

Vorbereitung auf das Bewerbungsgespräch

Das erste persönliche Kennenlernen steht an! Du gehörst nun zu den glücklichen Personen, die die Chance erhalten, durch das Bewerbungsgespräch andere von dir zu überzeugen.
Wenn du nicht genau weißt, wo das Bewerbungsgespräch stattfindet, sieh dir die Wegstrecke bereits im Vorfeld an. So kannst du es vermeiden, dass du zu spät zum Termin erscheinst oder nervös und verschwitzt ankommst, weil es hektisch wurde. Plane für die Anfahrt deutlich mehr Zeit ein, als eigentlich notwendig ist. Es ist besser in der Nähe noch eine Runde spazieren zu gehen, als sich Ausreden oder Gründe überlegen zu müssen, warum du dich verspätet hättest.

Bei der Kleidungswahl sollte dein Augenmerk darauf liegen, ob die Kleidung einerseits „branchenüblich“ ist, du dich darin bewegen und wohlfühlen kannst bzw. ob du deinem Gegenüber zeigst, dass du die Sache ernst nimmst und auch entsprechend entschlossen bist, etwas zu erreichen.
Bedenke, dass dein Tun und Handeln in dieser Situation deine persönliche Visitenkarte ist, die du zurücklässt – der erste Eindruck bleibt immer in Gedanken vorhanden. Karrierebibel.de hat eine sehr schöne Übersicht erstellt, was du bei Bewerbungsgesprächen als Bekleidung in Betracht ziehen kannst.

Während dem eigentlichen Gespräch lautet die wichtigste Anweisung immer: bleib bei der Wahrheit! Wenn deine Noten in einem Fach nicht die besten sind und du darauf angesprochen wirst, suche nicht nach Ausreden, sondern nenne deine Beweggründe – es ist noch kein/e Expert/in vom Himmel gefallen. Negativ auffallend wäre es aber, wenn du andere für die Umstände verantwortlich machst. Häufig erkundigt man sich auch danach, ob du dich auch woanders beworben hast. Wenn das zutrifft, sei so ehrlich und beantworte die Frage mit gutem Gewissen. Es ist völlig normal, sich für mehrere Stellen zu bewerben und definitiv kein Ausschlussgrund.

Über- und untertreibe bei deinen Skills nicht. Wenn du etwas gut kannst oder an einer bestimmten Sache großes Interesse hast, dann kannst du dies auch hervorheben. Jeder Mensch hat seine Stärken und Schwächen. Es hängt allerdings von uns ab, was wir daraus machen!
Du musst auch in Bezug auf Bibliotheken und Büchereien nicht zwingend erwähnen, dass Lesen deine Hauptbeschäftigung in der Freizeit darstellt, wenn dies nicht unbedingt der Fall ist. Die Medienlandschaft ist sehr groß und Musikliebhaber*innen finden sich ebenso unter den ABI’s, wie Filmliebhaber*innen und von Büchern begeisterte Menschen.

Rechne beim Bewerbungsgespräch damit, dass du gefragt wirst, wie es um deine Englischkenntnisse steht. Eventuell steht dir auch ein kleiner Wechsel der Sprache bevor. Falls du hier Nachholbedarf hast, nütze den Zeitraum vor dem Gespräch, um deine sprachlichen Fähigkeiten aufzubessern. Eventuell findest du eine Lehrkraft oder eine Vertrauensperson, mit der du ein paar „Bewerbungsgespräche“, auch mit einem englischsprachigen Teil, üben kannst. Umso routinierter du bist, desto weniger Sorgen musst du dir im Vorfeld machen und kannst dadurch auch entspannter sein, wenn der Termin dann tatsächlich stattfindet.

Online first

Vor allem mit Beginn der Pandemie, zog auch bei Bewerbungsprozessen der digitale Alltag ein. Wenn die Institution, bei der du dich beworben hast, das Bewerbungsgespräch online abhalten möchte, gibt es auch hier ein paar Dinge, auf die du achten kannst, um einen guten Eindruck zu hinterlassen.

Erkundige dich vorab, über welche Plattform das Gespräch stattfindet, sofern es nicht ohnehin angegeben ist. Sobald du darüber Bescheid weißt, installiere die Software auf deinem Endgerät und mache dich mit den Funktionen und Abläufen vertraut. Die gängigsten Programme sind unter anderem ZOOM, Microsoft Teams und Cisco WebEx. In der Regel musst du dir keine Gedanken darüber machen, kostenpflichtige Lizenzen kaufen zu müssen. Allerdings solltest du in ein gutes Headset oder eine hochauflösende Webcam investieren, sofern dein bereits vorhandenes Gerät dies nicht hat.
Suche dir einen Ort, an dem du eine gute Internetverbindung hast, kein Gegenlicht (im Hintergrund ist ein Fenster, eine Lampe leuchtet direkt auf das Gerät,…) vorhanden ist, das blanke Chaos im Hintergrund herrscht oder es sehr laut ist. Wenn du an dem Gespräch ohne Headset teilnimmst und dein Gerät über keine qualitativ hochwertige Filteroption beim Mikrofon verfügt, empfehle ich dir immer auf die Stummschaltung deines Mikrofons zu achten und es nur dann zu aktivieren, wenn du etwas sagen möchtest. Oft reicht das gedrückt halten einer Taste, während du redest, um das Mikrofon temporär zu aktivieren – bei ZOOM ist dies z. B. die Leertaste.

Überprüfe einige Stunden zuvor alles auf Funktionstüchtigkeit und probiere die Technik aus – z. B. durch einen Probeanruf bei jemand anderen aus deinem Umfeld. Sollte da etwas nicht funktionieren, hast du im Idealfall noch genügend Zeit, den Fehler zu finden und zu beheben oder schlimmstenfalls, um einen anderen Termin zu ersuchen. Wenn deine Internetverbindung nicht die schnellste ist und du dir das W-Lan mit mehreren Personen teilst, ersuche alle darum, den Datenverbrauch für den Moment zu reduzieren. Alternativ kannst du in der Regel dein Smartphone als Hotspot verwenden und ggfls. bei deinem Netzanbieter eine schnellere Verbindung für den Abrechnungszeitraum bekommen. Beachte allerdings, dass solche Zusatzpakete im Normalfall mit Mehrkosten verbunden sind.

Auf die Antwort warten

Den Abschluss eines jeden Gespräches bildet eine höfliche Verabschiedung. In manchen Fällen wird noch kurz Smalltalk geführt und du hast das Gröbste hinter dich gebracht. Gerne kannst du direkt nach oder gegen Ende des Bewerbungsgesprächs fragen, in welchem Zeitraum du mit einer, hoffentlich positiven, Antwort rechnen kannst. Wichtigste Regel lautet hier: höflich und dezent. Wenn du Äußerungen tätigst wie, „und, wann kann ich anfangen?“ oder „hab ich jetzt die Stelle?“, kann das sehr schnell äußerst überheblich wirken und dir die Chance auf die Lehrstelle vermiesen.
Manchmal kann es vorkommen, dass man mit dir noch ein zweites Bewerbungsgespräch vereinbart oder dich erneut kontaktiert, weil ein paar Fragen aufgetaucht sind – auch das kann vorkommen und ist völlig normal.

Wir hoffen, wir konnten dir mit den Tipps ein wenig weiterhelfen und wer weiß, vielleicht dürfen wir dich in Kürze auch schon in der ABI-Welt willkommen heißen! Wenn du Fragen hast, kannst du uns gerne jederzeit kontaktieren.

Zeugnisreflexion: Mehr Chancen und Potenzial am Lehrstellenmarkt

Die Auswahl von geeigneten Lehrlingen ist manchmal gar nicht so einfach, vor allem bei Lehrberufen, die in der Regel eine extrem hohe Bewerberzahl mit sich bringen. In der Masse den Rohdiamanten zu finden, ist somit eine große Herausforderung.
Gute Noten alleine entscheiden nicht darüber, ob ein potenzieller Lehrling auch zum Beispiel soziale Fähigkeiten besitzt und für diesen Beruf sehr gut geeignet ist.

Um diese Fragestellung zu klären, wäre hier das Verfassen einer Zeugnisreflexion ein sehr guter Ansatz. Die Idee dahinter wurde von Christian Novotny ins Leben gerufen und soll Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit geben, zu einem starken Fremdbewertungsinstrument, dem Zeugnis, Stellung beziehen zu können.

Beispiel:*

Eine Institution sucht eine/n Auszubildende/n mit Pflichtschulabschluss, also ohne bereits bestandener Matura. Es haben sich insgesamt 50 Personen beworben. Im Anschluss an einen Test über Allgemeinbildung und einem Probearbeitstag befinden sich eine Schülerin und ein Schüler in der Endauswahl.

Schüler A hat sehr gute Noten in der Mittelschule gehabt. Während des Probearbeitstages fiel allerdings auf, dass er sich sehr schwer bei Arbeiten in der Gruppe tut, da er eher „alleine und unabhängig von Anderen arbeiten möchte“, er möchte quasi „nicht aufgehalten werden“.

Schülerin B hat in Mathematik und beim Betragen („Beurteilung des Verhaltens“) keine gute Note, ist aber dennoch sehr gut beim Probearbeiten und höflich zu allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Es muss also im Anschluss eine Entscheidung getroffen werden. Soll es jener Schüler werden, der lieber für sich alleine arbeitet oder aber die Schülerin mit den schlechten Noten? Viele Arbeitgeber/innen würden spätestens jetzt an ihr zweifeln, denn schließlich muss sie ja etwas getan haben, andernfalls hätte sie ja keine schlechte Betragensnote in der Schule erhalten.

In solchen Fällen wäre es äußerst sinnvoll, der Schülerin die Option zu geben, eine Zeugnisreflexion zu verfassen. In dieser Reflexion könnte sie die Situation erklären, also darüber schreiben, warum sie welche Note erhalten hat.
Im weiteren Verlauf stellte sich heraus, dass die schlechte Betragensnote durch eine Spirale aus Mobbing durch Schulkolleginnen und Schulkollegen zustande kam. Durch diese Art von außergewöhnlicher Belastung verschlechterte sie sich außerdem in Mathematik, weshalb sich bei ihr der Entschluss festigte, das Gymnasium bzw. die Oberstufe nicht weiter zu besuchen, sondern vorerst lieber eine Ausbildung zu machen. Durch diese doch sehr relevanten Informationen, welche im Zuge der Reflexion ans Tageslicht kamen, konnte eine Lösung erarbeitet werden und sie erhielt die Lehrstelle.

Resümee

Resümierend lässt sich sagen, dass auf diese Art und Weise das Risiko sehr stark minimiert werden kann, einen potenziellen Rohdiamanten abzulehnen und im schlimmsten Fall sogar einem jungen Menschen die Motivation oder Ambition einen Beruf zu erlernen zu nehmen. Die Entscheidung, einer Person einen Ausbildungsplatz anzubieten oder aber zu verwehren, hat nicht nur Auswirkungen auf das berufliche Umfeld (in der Rolle des Ausbilders bzw. Vorgesetzten), sondern auch sehr stark auf die Persönlichkeit des Heranwachsenden.

Leider kommt es immer wieder vor, dass Schülerinnen und Schüler aufgrund einer falschen Einschätzung bzw. Beurteilung zügig aus einen Bewerbungsverfahren ausscheiden, obwohl sie äußerst talentiert und interessiert sind.
Häufig werden jene Menschen bei diversen Schulungszentren bzw. Lehrwerkstätten im Rahmen einer Überbetrieblichen Ausbildung untergebracht. Die Idee dahinter ist prinzipiell nicht schlecht, allerdings kommt es des Öfteren vor, dass Jugendliche einen Beruf erlernen, der sie entweder nicht tangiert oder aber die für die spätere Ausübung des erlernten Berufs notwendige Praxis fehlt. Im Jahr 2017 befanden sich, laut einer Statistik de Wirtswchaftskammer Österreich, 33.721 Heranwachsende im 1. Lehrjahr, das entspricht einem Trend von +3,1% (Österreich).**
Wer weiß, wie viele Jugendliche abgelehnt wurden, obwohl in ihnen sehr viel Potenzial steckt und das Talent dahinter nicht erkannt und gefördert wird.

*Es handelte sich hierbei um ein fiktives und freierfundenes Szenario, welches aber ähnlich immer wieder in der Realität vorkommt.


Weitere Informationen:

Zeugnisreflexion – Bewerbungstool, Webseite von Christian Novotny
**Link zur Statistik der WKO
Download Zeugnisreflexion
Arbeitswelt: Wie wichtig sind gute Noten? (Kleine Zeitung, 23. Juni 2018)

Buchhandlungen gesucht!

Für eine neue Artikelreihe suchen wir Buchhändler/innen in Österreich, die Ihren Betrieb und eine persönliche Buchempfehlung (Buchrezension) auf unserer Plattform als Gastbeitrag vorstellen möchten.

In diesem Artikel können Sie die Buchhandlung (Mitarbeiter, Räumlichkeiten,…), Services welche Sie Ihrer Kundschaft offerieren oder zum Beispiel auch Anekdoten verschriftlichen. Hier haben Sie jeglichen Handlungsspielraum.

Anforderungen & Möglichkeiten

Um Teil dieser Reihe zu werden, sollten Sie folgende Erfordernisse erfüllen:

  • lokale österreichische Buchhandlung – vor allem kleine Buchhandlungen sind herzlich eingeladen, sich zu melden!
  • Interesse an Themen wie „read global, buy local“

Prinzipiell überlassen wir Ihnen bei der Gestaltung des Beitrags freie Hand. Sie dürfen Fotos und Grafiken, sowie ihr Logo in den Text integrieren. Die Platzierung von Links zu Ihrer Webseite oder zu Profilen auf Sozialen Netzwerken ist ebenso möglich.

Über abiLehre.com & unsere Motivation

Hinter der Idee von abiLehre.com stecken die Archivarin Nathalie Feitsch und der Bibliothekar Andreas Habermayer. Das primäre Ziel dieser Webseite besteht darin, den Lehrberuf „Archiv-, Bibliotheks- und Informationsassistent/in“ und dessen Tätigkeitsfelder zu bewerben. Als sekundäres Ziel haben wir uns die Förderung der österreichischen Medien- bzw. Buchbranche (inkl. den Lehrberuf Buch- und Medienwirtschafter/in) gesetzt. Speziell Themen wie „read global, buy local“ sind uns eine Herzensangelegenheit, da wir der Überzeugung sind, dass der lokale Buchhandel und dessen ambitionierte Mitarbeiter/innen ein Teil des Kulturguts Buch sind und nicht aus unserer Gesellschaft verschwinden dürfen.

Kontakt

Falls Sie Interesse haben, an diesem Projekt mitzuwirken, ersuchen wir Sie, eine kurze Bewerbung über unten stehendes Kontaktformular zu senden.

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Qualität in der Lehre: eine Checkliste des ibw

Da ich nun auf dem besten Weg bin, selbst eine Lehrlingsausbilderin zu werden, werde ich mich in absehbarer Zeit etwas näher mit der Thematik der Lehrlingsausbildung und allem, was so dazugehören könnte, befassen.

Die Ausbildung eines jungen Menschen zur einer Nachwuchsfachkraft bedarf einer Menge Verantwortung, Einfühlungsvermögen und umfasst oft nicht nur die verschiedenen Facetten im Berufsalltag, sondern greift manchmal auch in die persönliche Weiterentwicklung der jungen Heranwachsenden ein. Es kann ein langer Weg sein vom erstmaligen Einstieg in die Berufswelt bis hin zum Abschluss einer Berufsausbildung. Betriebe müssen heutzutage immer flexibler auf etwaige Veränderungen in der Wirtschafts- und Arbeitswelt reagieren, und dabei sollen im Idealfall gewisse Standards in der Lehrlingsausbildung eingehalten werden.

Die Checkliste „Qualität in der Lehre“ herausgegeben vom Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft, 2012, bietet hier einen Überblick über 10 Qualitätsfaktoren, die den Betrieb bzw. den/die Ausbildner/in dabei unterstützen sollen.

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche (Personen)bezeichnungen gelten gleichwohl für beiderlei Geschlecht.

Hier eine Zusammenfassung in Stichworten in Kombination mit meinen eigenen Ideen:

  • Marketing: Wie finde ich den passenden Lehrling für meinen Betrieb? Wen und vor allem wie mache ich die richtige Zielgruppe auf meinen Betrieb aufmerksam? Lehrstellenbörse, Kooperationen mit Schulen, Schnupperlehre, Berufsmessen, Mundpropaganda, Zusammenarbeit mit AMS (ArbeitsMarktService) bzw. Organisationen für Jugendliche
  • Die Lehrlingsauswahl: Wer entscheidet über die Auswahl? Wieviele werden zum Gespräch eingeladen? Wer ist beim Bewerbungsgespräch anwesend? Auswahlverfahren mit festgesetzten Kriterien (z.B. berücksichtigung von Zeugnissen: Noten in einzelnen Unterrichtsfächern / Auswahltest: Kenntnisse aus einzelnen Bereichen wie Deutsch, Praktisches Rechnen, Berufsverständnis), Bewerbungsprozess mit Bewerbungsgespräch und eventuell ein separater Probetag: das persönliche Auftreten, die Motivation für den Beruf, Genauigkeit, Geschick, Selbstständigkeit, der gepflogene Umgang miteinander und letzendlich die Eignung für den eigenen Betrieb. Passt derjenige mit seinen ganzen Qualifikationen überhaupt in unser Team? Nicht vergessen die positive/negative Rückmeldung an alle Bewerber.
  • Der optimale Start: Begrüßung und Vorstellung (ev. auch Eltern über genauen Ablauf der Ausbildung informieren), Lehrlingsmappe mit Unterlagen (zur Lehre, zu Ausbildung und Betrieb, die Rechte und Pflichten von minder- und volljährigen Lehrlingen), Besprechung über Betriebs- und Arbeitsabläufe, Erklärung der betrieblichen Arbeitsmittel, Wer ist für den Lehrling verantwortlich/zuständig?
  • Der richtige Umgang: Der Ausbilder bzw. auch der Mentor, sofern es einen gibt, als Vorbild und Ansprechpartner, das erwartete Verhalten selbst vorleben, Vertrauen schaffen und das persönliche Gespräch suchen, sich Zeit nehmen für Fragen, Stärken und Schwächen erkennen und darauf eingehen, den Lehrling loben und besondere Leistungen anerkennen, den Lehrling formen und dabei Spielraum für Entwicklung geben, Verantwortung übergeben, auffordern Mitzudenken, Fehler als Lernchancen zulassen, gegenseitiges Feedback einholen
  • Die Ausbildung gestalten: Wie gestalte ich die Ausbildung? Berufsbild als Grundlage heranziehen, Ausbildungsplan erstellen, Lehrling einbinden z.B. auch in die Verbesserung von Arbeitsprozessen, Jobrotation (verschiedene Bereiche und Kollegen kennen lernen), Tätigkeiten nicht nur erklären, sondern auch vorzeigen und üben lassen, Lehrlinge fordern und fördern aber vor allem nicht überfordern, Weiterbilden lassen, Ausbildungsdokumentation (Lehrlingstagebuch, Ausbildungs-Checkliste), regelmäßiges Lehrlingsgespräch, Wie gebe ich richtig Feedback? Unterstützung bei der Vorbereitung auf die LAP (LehrAbschlussPrüfung), gute Leistung belohnen
  • Ausbildung über das Berufsbild hinaus (Lebenslanges Lernen): zusätzliche berufsbezogene Weiterbildung (EDV – Elektronische DatenVerarbeitung, Fremdsprachen, Erste-Hilfe, Arbeitssicherheit, branchenbezogen), Persönlichkeitstraining, Zeitmanagement, Team Building, Vermittlung von Soft-Skills, ev. Berufsmatura, ev. Auslandspraktikum, Förderung der Gesundheit (Sportangebote, Gesundheitsvorsorge, Suchtprävention)
  • Der Ausbilder:  Qualifikation zum Ausbilder (Prüfung, Kurs, vergleichbares), fachliche und didaktische Weiterbildung (Inhalte richtig vermitteln, den Lehrling otivieren, Umgang mit schwierigen Lehrlingen), Ehrfahrungsaustausch (mit anderen Betrieben), Mitwirkung in Arbeitskreisen zur Lehrlingsausbildung
  • Ausbildungspartner Berufsschule: Kontakt mit den Lehrern aufbauen und pflegen, sich über die Leistungen und das Verhalten des Lehrlings informieren, wissen was auch dort Sache ist? Was lernt mein Lehrling dort eigentlich? Welche Bereiche deckt die Berufsschule ab? Welche Inhalte müssen durch den Betrieb gedeckt werden?
  • Kooperationen: Exkursionen in andere Betriebe, berufsbezogene Ausflüge, Durchführen gemeinsamer Projekte, Ausbildungsverbund für die Vermittlung zusätzlicher Kenntnisse und Fertigkeiten (inner- und/oder außerbetrieblicher Lehrlingstausch z.B. für eine Woche)
  • Der Blick von außen – die Erfolgsmessung: durch das erfolgreiche Bestehen der LAP, Teilnahme an Wettbewerben, Preise auch für den Betrieb und den Ausbilder, regionale und branchenspezifische Auszeichnungen

 

Weiterführende Links:

Quelle: Checkliste „Qualität in der Lehre“, hrsg. ibw – Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft, Okt. 2012

Hier die 2. Auflage, Okt. 2014, auch online: http://qualitaet-lehre.at/images/downloads/checklist_qualitaet_in_der_lehre.pdf

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